Kolumne
"Lokalspitzen" in der Harburger Rundschau
Wer auch immer die Rubrik der "Lokalspitze" in der Harburger Rundschau ins Leben gerufen hat, der täglichen Regionalbeilage im Hamburger Abendblatt südlich der Elbe, er hat mein Schreiben beeinflusst und deshalb werde ich ihm und der Harburger Rundschau ewig dankbar sein: Diese Kolumne hat mir gezeigt, wie viel Freude es mir macht, auf diese Weise zu schreiben und wie sehr ich es auch mag, auf kurze und prägnante Weise etwas zu sagen, mit einem Augenzwinkern, mit Humor. Also danke, liebe Kollegen! Außerdem gefällt es den Lesern, jedenfalls den allermeisten Lesern, und auch das macht im Rahmen einer solchen Arbeit natürlich Freude - es jedem Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann. Gibt es auch einen Nachteil für mich? Aber klar. Ich entdecke mich immer wieder beim Kürzen meiner Texte, auch wenn es viel zu schreiben gäbe. Ich habe mich dabei entdeckt, selbst einen Roman, den ich schreiben wollte, in viele kleine Mosaikteile aufzuspalten, in Momentaufnahmen, in Augenblicke - immer diese kleine, feine "lokale Spitze" irgendwie unbewusst im Kopf und inzwischen ganz sicher, dass das gesamte Leben so ein zusammen gesetztes Mosaik bildet und wir erst ganz am Ende das ganze Bild sehen werden und können.
Phänomenaler Gewichtsverlust
Noch ist es Sommer. Da sind wir vor Diätratschlägen nicht sicher, denn es könnte sich immer noch als wichtig deklarieren lassen, eine Bikinifigur zu haben. Ich will da keine Ausnahme machen, denn das Wohl meiner Leserinnen liegt mir am Herzen. Deshalb will ich etwas über meine eigenen Erfahrungen berichten. Denn was der Mensch selbst erfahren hat, kann er getrost weitergeben. Alles andere ist immer nur schwierig nachprüfbar. Also: Die Sache mit dem Körpergewicht lässt sich ganz einfach regeln, wie ich neulich festgestellt habe. Es ging ohne Probleme, von einem Tag zum anderen. Ich habe einfach meine Waage genommen und an einen anderen Platz gestellt, warum weiß ich nicht mehr. Plötzlich wog ich vierhundert Gramm weniger. Das war sehr erfreulich. Deshalb habe ich das mit dem Verstellen der Waage noch einmal versucht. Wieder erlebte ich eine Überraschung. Diesmal bescherte mir die Waage einen Gewichtsverlust von sechshundert Gramm. Phänomenal, dachte ich. So einfach ist das also, an Gewicht zu verlieren. Jetzt wurde ich noch mutiger und versetzte meine liebe Waage von dem festen Fliesenfußboden des Badezimmers auf den leichten Teppichflor des Schlafzimmers. Es war noch phänomenaler als zuvor. Die Waage zeigte mir nun glatte drei Kilogramm weniger Körpergewicht an. Sie meinen, die so verlorenen Kilos führen nicht zu einer Bikinifigur? Abwarten. Wenn ich mich oft genug bücke und die Waage pausenlos hin und her trage - vielleicht dann?
Essen und Magie
Was die Biologen und Mediziner an Fakten über den Menschen vorzubringen haben, das ist eindeutig. Wer wollte auch etwas dagegen sagen, dass ein Mensch normalerweise zwei Arme, zwei Beine, zehn Finger, zehn Zehen, zwei Knie, zwei Augen hat...das könnte so weiter gehen. Aber der Mensch ist nun mal mehr als die Summe all der Körperteile, die man sehen und aufzählen kann. Er hat auch Körperteile, die man nicht sehen kann! Diese Behauptung kann ich beweisen, mit folgender Geschichte: Der Mensch genießt gerne. Wenn er in Gesellschaft isst, neigt er dazu, mehr zu essen, als er sollte. So zum Beispiel an einem Grillabend. Die Gastgeber haben es gut gemeint und schon den vierten Rost voller Würstchen gepackt. Essen und Reden, das ist eine gemütliche Angelegenheit. Nach einer guten langen Weile beginnen die Gäste darüber zu reden, wie satt sie eigentlich alle seien und dass nun wirklich nichts mehr Platz im Magen habe. Das ist die Stunde eines magischen zusätzlichen Körperteiles, den Biologen und Mediziner nie im Körper eines Menschen finden werden: die Stunde des Nachtisch - oder Dessertmagens! Nur mit ihm ist es zu erklären, dass alle immer noch Süßes essen können, auch wenn sie schon satt sind! Zur rechten Zeit am richtigen Ort, das kann nur Magie sein!
Religiöses...
Nicht religiöse und kirchenferne Menschen machen sich oft keine Vorstellungen davon, wie sehr auch kircheninterne in der Lage sind, sich selbst auf die Schippe zu nehmen und Glaubensinhalte mit den Mitteln des Humors zu sehen. Zahlreiche Kirchenkabaretts zeugen davon. Witze gibt es viele. Witzige Geschichten schreibt aber auch das Leben. Da berichtete zum Beispiel die alte Missionarin von ihren ersten Monaten auf Papua Neu Guinea. Da beherrschte sie die Sprache der Einheimischen noch nicht gut und nutzte jede Gelegenheit des Lebens zu lernen. Eines Tages brachte man ihr einen Fisch, der noch lebte und zubereitet werden sollte. Sie fragte danach, wie man das nennt, wenn der Fisch noch nicht tot ist, so in der Hand liegt und sich bewegt. Sie merkte es sich gut. In den folgenden Wochen beobachtete sie, wie sich in ihrer Gemeinde nach ihren Predigten immer ein verschmitztes bis offenes Lächeln in den Gesichtern ihrer Zuhörer ausbreitete. Sie konnte es sich nicht erklären. Kam aber je länger desto mehr ins Grübeln darüber. Als nach einiger Zeit der Bischof zu Besuch kam, fragte sie ihn nach einem dieser Gottesdienste, warum denn die Gemeinde nach ihren Predigten manchmal so lustig sei. Es war nicht schwer für ihn, diese Frage zu beantworten. Auch er lächelte und erklärte: "Schwester, Sie predigen immer, Jesus würde noch zappeln..." Wer kannte schon die "Lehrstunde" mit dem zappelnden Fisch!
Indizfaktor Katze
Woran erkennt die Frau, dass sie sich für den richtigen Mann entschieden hat - oder anders formuliert: Gibt es ein sicheres Indiz dafür, dass es der Richtige für das ganze Leben sein könnte? Die Lösung dieser Frage gibt viel Spielraum für erfinderische Zeitgenossen. Mit einem praktikablen Ergebnis könnten sie sich eine goldene Nase, was sag ich, eine diamantene, eine smaragdene Nase verdienen! Leider ist das noch nicht geschehen. Aber es gibt immer wieder Ansätze auf dem Weg zu einer befriedigenden Lösung. Einen davon habe ich gefunden, denn das glückliche Beispielpaar ist mir neulich begegnet und es feiert in diesem Jahr Silberhochzeit. Erfolgsgarantie 25 Jahre, das ist nicht wenig. Die Geschichte muss also kurz erzählt werden: Als beide sich kennenlernten, hatten sie schon eine unglückliche Beziehung hinter sich. Wenn sich zwei gebrannte Kinder treffen, dann sagt der Kopf: Vorsicht! auch wenn das Herz liebt. Aber da gab es ja noch den Indizfaktor, ohne den es wahrscheinlich nicht geklappt hätte. Der Indizfaktor war klein, hatte vier Beine, ein weiches Fell und schnurrte munter in der Gegend herum. Es war eine Katze. Georg hatte diese Katze und lebte schon lange mit ihr. Als Rana sah, wie liebevoll er mit seiner Katze umging, hatte sie keine Zweifel mehr. Sie brachte ihre Katze mit. Als die kleinen Katzen nicht mehr ohne einander spielen wollten, wollten es auch die Großen nicht mehr. Merke: Klappt`s mit der Katze, klappt`s auch mit der Frau!
Die Fußballweltmeisterschaft und ich
Auch ich denke in dieser Zeit über Fußball nach. Allerdings bin ich nicht bereit, den Fußball zur wichtigsten Nebensache der Welt zu erklären. Reicht das zum Fansein? Nun ja, ich schaue mir alle Spiele an, in denen die deutsche Mannschaft spielt. Das ist Ehrensache. Manchmal gehe ich raus, weil ich es nicht mehr aushalten kann - wegen der Spannung, und dann wieder schalte ich schnell mal zwischendurch auf ein anderes Programm, weil ich es nicht mehr aushalten kann - wegen der Spannung. Wenn ein Tor für unsere Mannschaft fällt, kann es schon passieren, dass ich mit meinen Begeisterungsrufen den Hund erschrecke, der es sich gerade zu meinen Füßen bequem gemacht hat. Er springt dann auf und schnappt kurz um sich. Schließlich weiß er ja nicht, dass ihm niemand etwas Böses will und es sich nur um ein Fußballspiel handelt, in dem gerade ein Tor gefallen ist. Sind das Fanqualitäten? Außerdem bin ich auch jederzeit bereit, meinem Mann und allen anderen Zuschauern Getränke zu holen, wenn es erforderlich ist. Die dürfen nicht vom Spiel abgelenkt werden, weil das ja echte Fans sind und sehr viel mehr als ich darunter leiden würden, etwas zu versäumen. Merke: Der echte Fußballfernsehfan braucht also jemanden, der ihm das Kissen in den Rücken steckt, der sich um ihn sorgt, ihn umtüdelt und umhegt. Die WM und solche wie ich, wir gehören demnach untrennbar zusammen - allerdings kriegen wir leider nie die Fernsehfernbedienung...
Siesta
Dieser Sommer war und ist heiß. Er ist so heiß, dass selbst kühle Nordeuropäer auf heiße Gedanken kommen. Sie denken nämlich ernsthaft darüber nach, ob es bei solchen klimatischen Bedingungen nicht endlich an der Zeit sein könnte, die mittägliche südliche Siesta einzuführen. Was bedeutet Siesta? Das ist die Ruhephase zwischen zwölf Uhr mittags und vier Uhr nachmittags, in der die Sonne so heiß brennt, dass der menschliche Geist zusammen mit dem fließenden Schweiß ins Wabern gerät und nur noch an Eis, Wasser, kühle Luft, Schlaf und Liegestuhl denken kann. Wenn das so ist, scheint eine Pause angebracht, um danach mit neuer Energie und neuem Schwung wieder an die Arbeit zu gehen. Aber machen wir uns klar - das bedeutet Revolution! Machen wir uns klar - das bedeutet ein Angriff auf die geordnete und gesittete Zivilisation des Nordens, in der der Tagesablauf durch alles andere, aber nicht durch solch chaotische Umstände wie das Wetter geregelt wird. Aber der Mensch lernt dazu, pardon - er fühlt dazu. Er schwitzt, ist müde, kaputt und abgespannt und plötzlich reif für Neues. Das nennt man aus Erfahrung lernen. Ich muss bei Siesta immer an den wunderbaren Spielfilm "Avanti, Avanti" mit Jack Lemmon denken, in dem ein amerikanischer Konzernchef in Ischia mit italienischer Lebensweise und Siesta konfrontiert wird und der Aussage: Siesta, da esse man gemütlich zu Mittag, mache ein Stündchen Liebe, ruhe sich aus - und am Abend gehe man heim zu seiner Frau. Diese Variante sollte aus weiblicher Sicht vielleicht überdacht werden...
Erkenntnisse...im Gewitter
Endlich kommt der Regen. Die Wolken haben sich grau, schwarz, stellenweise fast gelblich zusammengebraut. Es prasselt mit Macht auf den Rasen, die Blüten, die Blätter, auf die Steine und Straßen. Endlich kühlt es sich ab. Schon nach wenigen Minuten scheint das gelbe Grün des Rasens wieder satter grün zu werden. Das Wasser fließt die Straße entlang und verschwindet rauschend im Gulli am Straßenrand. Alle haben schnell die Fenster geschlossen. Die Gewitterböen sollen nicht in die Räume fegen und mit ihrer Kraft Unheil anrichten. Die leichten Plastikgartenstühle wurden zusammengestellt, die Tischdecken von den Gartentischen genommen. Windböe um Windböe fegt durch die Gärten, die Straßen, nimmt mit und verweht, was lose und locker ist oder nicht so schnell in Sicherheit gebracht werden konnte. Das ist ein richtiger Gewittersturm, wie ihn keiner wirklich mag. Es kracht, donnert und blitzt. Ich stehe hinter dem Fenster und schaue auf das gegenüberliegende Haus. Auf dem Dachfirst stehen zwei Tauben. Haben sie nicht mitbekommen, dass Gewitter ist? Sie stehen dort unbeweglich und ruhig, als hielten sie gerade ein Schwätzchen miteinander. Fehlt nur noch, sie breiteten ihre Flügel aus, um sich im Regen so richtig schön abkühlen zu lassen. Sie stehen da und stehen und stehen. Dieses schreckliche Gewitter macht ihnen anscheinend nichts aus und ich erkenne: Warum sollte ich mich fürchten, wenn sich doch diese kleinen Tauben so gar nicht zu fürchten scheinen!
Beziehungstipps
Was ist d e r Tipp für eine harmonische Partnerschaft? Da fangen wir ganz harmlos an und sagen: Ein Tipp ist ganz bestimmt, den Liebsten oder die Liebste immer mit "Schatz" anzureden! Das ist unbestreitbar richtig, denn der Satz: "Schatz, du hast dir schon wieder die Krawatte kilometerweit über dem Bauchnabel gebunden!" hört sich viel netter an als der Satz: "Meine Güte noch mal, wie oft soll ich dir noch sagen, dass es total bescheuert aussieht, wenn man das Gefühl hat, du trägst deine Krawatte nur so kurz, weil du dir damit die Nase ausschnäuzen willst und keine Taschentücher dabei hast!" So ist das also mit den menschlichen Beziehungen. Sie sind instabil und immer wieder für Überraschungen gut. Wer keine Überraschungen mag, sollte sie meiden. Einsiedler, ahoi! Ihm entgehen dabei natürlich aber auch wunderbare Jahre, Wochen, Tage, Stunden, Minuten und Sekunden, angefüllt mit den wichtigen Fragen des gemeinsamen Lebens: Wollen wir Omas Couch wirklich in den neuen gemeinsamen Haushalt übernehmen? Muss immer nur der die Kaffeemaschine saubermachen, der sie am meisten benutzt oder auch der, bei dessen seltenem Versuch, sich einen Kaffee zu machen, sie gerade durch nachhaltiges Blinken zu erkennen gibt, gereinigt werden zu wollen? Muss er auch ihre Blusen bügeln, wenn sie seine Hemden bügelt? Fragen über Fragen sind das - aber wann wäre das Leben schon wirklich leicht gewesen zwischen zwei so unterschiedlichen Wesen wie Mann und Frau...
Alle Zeiten...
Heute habe ich die beste Tomatensuppe aller Zeiten gegessen, mit Basilikum Pesto, etwas Zucker, Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer. Dann habe ich den besten Vanillepudding aller Zeiten gegessen. Dazu gab es eine wunderbare Soße aus passierten Erdbeeren, natürlich die beste Soße aller Zeiten. Irgendwie hatte ich das Gefühl, mit diesen Speisen in den besten Minuten aller Zeiten gewesen zu sein. Das ist natürlich nur dann richtig zu verstehen, wenn man meine Liebe für alle Vanille-Desserts so richtig nachvollziehen kann. Es sind halt immer die besten Sekunden, Minuten und Stunden aller Zeiten, wenn das Leben uns Genüsse und Eindrücke beschert und vermittelt, die sich nicht mehr aus unserem Gedächtnis tilgen lassen. Das müssen auch die Filmemacher aus Hollywood wissen, die uns mit schöner Regelmäßigkeit die schönsten Filme aller Zeiten zu Gehör und zu "Geschau" bringen. Gerade wieder soll das mit einem tollen Film der Fall sein, der irgendwie in der Karibik spielt, wo ich doch ganz sicher das sicherste Gefühl aller Zeiten habe, dass Karibik gerade in Hamburg-Harburg ist, ganz sicher! Das lässt den schwitzklaren Schluss zu, dass unsere Gegend im Moment die beste Gegend aller Zeiten ist! Ich bin da ganz sicher, denn die beste Gegend aller Zeiten ist doch immer dort, wo wir uns so richtig gut fühlen können und dürfen und sollen und überhaupt nicht das Gefühl haben, dass sich sehr bald etwas Wesentliches ändern sollte...für alle Zeiten!
Gießverhalten
Eine Küche ohne Deckel, Hauben und Schraubverschlüsse ist nicht vorstellbar. Im Gegensatz zum sonstigen Leben nämlich ist es in der Küche wichtig und durchaus nicht ehrenrührig, Dinge unter Verschluss und unter dem Deckel zu halten. Wo es dampft, brodelt, zischt, spritzt und fließt, da sind auch Deckel und Verschlüsse nicht weit. Warum nur um alles in der Welt müssen das immer wieder andere sein! Hinter diesen Satz hätte ich jetzt gerne zwei Ausrufungszeichen gesetzt! Mal muss man nur drehen. Dann muss man drehen und drücken. Dann wird gefordert, zu drehen, zu drücken und zu schieben - und das auch noch in unterschiedlicher Reihenfolge. Das sind Anforderungen, für die man einen höheren Schulabschluss benötigt. Gerade neulich konnte ich das wieder beobachten. Auf einer Geburtstagsfeier hatte die Hausfrau wegen der Menge an Kaffee, die vorzuhalten war, auch die Freundinnen gebeten, ihre Kaffeekannen mitzubringen und für den Tag auszuborgen. Seither ist mir klar, warum sich alle diese Warmhaltekannen auf unterschiedliche Weise zwischen gedreht, gedrückt und geschoben öffnen lassen: Die Hersteller setzen nicht nur auf die Kommunikation fördernde Wirkung des Kaffees, sondern auch auf die der Kaffeekannenverschlüsse. Außerdem darf bei den Gießexperimenten Zeit vergehen - es handelt sich schließlich um Warmhaltekannen!