Interviews
Einfach nur Peter Schmidt.
Kurze Gedanken zu einem kleinen Gespräch, weil der Hamburger Designer sein neues Atelier bezogen hat.Text und Foto: Johanna Renate Wöhlke
Peter Schmidt ist Peter Schmidt. Hamburgs berühmter Designer, Bürger und Weltbürger ist sich selbst Programm, minimalistisch mit seinem eigenen Namen und gerade deshalb mit dem Ausdruck von Selbstbewusstsein und höchstem Anspruch an sich selbst und seine Prinzipien. So steht denn auch im Eingang des neuen Ateliers im Mittelweg, das Peter Schmidt im Frühjahr bezogen hat, einfach nur "Peter Schmidt". Der Fahrstuhl führt in den fünften Stock.
Das Atelier weiträumig, hell und farbneutral. Die Nähe zur fernöstlichen Kultur ist spürbar. Design Peter Schmidt bedeutet immer klare Form mit sauber einfachen Strukturen. Die finden sich in seinen berühmten ersten Parfumflacons für Gil Sander und setzen sich bis heute fort in der ganzen gewaltigen Bandbreite seiner Arbeit von Flaschendesigns für Industrie und Parfums, Architektur, Raumgestaltungen, Theaterinszenierungen, Opernausstattungen, Logos, Büchern... Da unterscheidet sich das persönliche Umfeld nicht von seiner Arbeit. Designerleben scheint nicht teilbar. Peter Schmidt ist immer Peter Schmidt, jetzt siebzig Jahre alt.
Er gehört zur international ersten Garnitur und lebt das auch. Es ist der Anspruch an sich selbst, der sich im Laufe der Jahre in Erfolg umgemünzt hat. Hat er von Anfang an Erfolg gewollt, was bedeutet Erfolg für ihn? Sein Blick schweift aus dem gardinenlosen Fenster und dann zu seiner Teetasse und mir zurück. "Sie spüren, dass sie gehört werden und dann beginnen sie, damit umzugehen und erkennen das als Erfolg - im Großen und im Kleinen", sagt er.
Für ihn bedeutet Arbeit immer auch große Nähe zum Kunden. Design und Produkt sollen zu den Menschen passen und lange Zeit standhalten. Ein Peter Schmidt Design ist nichts für den schnellen Konsum. Da darf die Frage erlaubt sein, woran in seiner Arbeit sein Herz hängt. Die Antwort kommt schnell. Es hänge daran, so betont er, dass in dieser schnelllebigen Zeit immer noch Dinge gemacht werden, die Qualität haben, Peter Schmidt Qualität.
Ausführliche Informationen über Peter Schmidt und seine Arbeiten - er entwarf und schenkte seiner Stadt Hamburg ihr Logo - unter www.atelierpeterschmidt.com
Kieselsteingeflüster vom Deich
...oder Eddy Winkelmann, die Gitarre und der Deich
Text und Fotos: Johanna Renate Wöhlke
Am Deich, vor den Toren Wilhelmsburgs, blühen schon die Veilchen. Der Blick ist weit und unverstellt. Am Horizont taucht bei gutem Wetter die Silhouette Hamburgs auf. „Skyline”, sagt Eddy Winkelmann dazu, den ich hier in seiner selbst gewählten Idylle besuche. „Ich lauf hier stundenlang, ich brauche einen klaren Horizont”, heißt es in einem seiner Lieder. Hier hat er ihn, hier kann er das. Hier arbeitet er in seinem Studio unter dem Reetdach, schreibt seine Texte, Balladen und Lieder, spielt Gitarre, bereitet sich auf seine Auftritte und Konzerte vor.
Familienidylle am Deich: Eddy
Winkelmann mit seiner Frau
Marketta
und dem Söhnchen Mika
Seit Sohn Mika geboren worden ist, gehört auch der fest in seinen Tagesrhythmus.
Da kann Eddys Frau Marketta, die im Kulturhaus Süderelbe in Neugraben arbeitet, auch schon mal
nachmittags mit einer Freundin in die Innenstadt zu einer Kunstausstellung fahren —
Papa passt dann auf und hat im günstigsten Fall wieder eine Inspiration für einen Song gewonnen.
Es ist zu spüren: Der Mann Eddy Winkelmann ist hier Zuhause, angekommen,
viele Jahre auf der Suche gewesen. Auf der Bühne im Schmidts auf der Reeperbahn
ist er schon viele Jahre künstlerisch Zuhause. „Ich sitz in der Hafenkneipe mit blauen
Jungs im blauen Licht”, singt er in einem seiner Lieder, dort wo Freddy leider schon
lange nicht mehr war. Eddy Winkelmann ist noch immer da, aus Passion. 1990 hat er dort begonnen
mit den bekannten Tresen-Shows und „unendlich vielen Mitternachtsshows”.
Heimatgefühl? Aber ja.
Eddy Winkelmann, die
Gitarre
und der Deich.
Im Dezember des vergangenen Jahres war es Eddy Winkelmann, der die letzte Vorstellung im alten,
wohl legendären Schmidts geben durfte, vor einem Publikum, das den Saal fast nicht verlassen wollte.
Wehmütig und begeistert von Eddy und seiner Band. Er führte auch als Moderator durch
die Abschiedssendung des alten Schmidts im NDR3 Fernsehen. Es wird auch wieder Eddy Winkelmann sein,
der das neue Schmidts im Mai 2005 mit eröffnen wird.
Comedy und Musik, damit hat er damals angefangen bis er 1994 sein erstes Soloprogramm vorstellte und 1995 einen Plattenvertrag bei Polydor bekam. Da war er viel im Fernsehen von Nord bis Süd, in Talkshows, in der Schaubude, im ZDF, in vielen dritten Programmen wie zum Beispiel eine Woche lang mit Jürgen von der Lippe im WDR oder Harald Schmidt im Südwestfunk.
Eine tolle Zeit, aber nicht für immer. Wenn man ihm aufmerksam zuhört, scheint es so gewesen zu sein, dass seine Inhalte durch die Verpflichtungen des Vertrages sich nicht genug entwickeln konnten. „Bei einem Plattenvertrag steht das Geschäft im Vordergrund und nicht der Inhalt. Danach war es wieder umgekehrt”, so Winkelmann. Comedy war nicht mehr vorrangig. Seine Lieder und Texte wurden reifer.
Hamburglieder ja, aber nicht ohne einen Bissen Ironie wie in „Freddy war schon lange nicht mehr hier”. Nordsee und Elbe besingen ja, aber dann auch solche wie „Treibgut und Strandperlen” oder „Kieselsteingeflüster”, die den Zuhörer in eine Geschichte hinein ziehen, die er selbst erlebt haben könnte. So wie er die See als Kombüsenjunge ein Jahr lang auf der Cap san Diego erlebt hat, ausgestiegen aus einem Job, in dem er meinte, nicht alt werden zu können und dann den Einstieg wagte und seinem Wunsch nach der Bühne nach gab.
Das ist eine von Winkelmanns Stärken: Man nimmt ihm ab, was er singt. Seine Lieder zwischen Chanson, Ballade und Rock passen zu ihm. Der Komödiant findet auch mit 47 Jahren immer noch genug aktuellen Stoff, indem er zum Beispiel das erste graue Haar besingt. Alle Versuche, für seine Auftritte etwas anderes anzustreben, wären wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt.
Rundum hat er genug zu tun: Er schreibt zum Beispiel für die Fernsehsendung „Freut euch des Nordens”, macht Synchron, hat auch kleine Lehrfilme für die Sesamstraße gemacht, dreht Werbespots für die Deutsche Bundesbahn, tritt mit einzelnen Titeln aus seinem Bühnenprogramm in anderen Programmen von Hamburg bis Flensburg auf. In Hamburg neben den beiden jährlichen Konzertreihen im Schmidt in der Schmidtshow mit Corny Littmann - auch im „Polittbüro” am Steindamm, aber auch an Orten wie dem Kulturhaus Süderelbe in Neugraben, gerade neulich in einer gemeinsamen Lesung mit Musik mit Gerlach Fiedler.
„Ich fühle mich als Gast auf dieser Welt”, sagt Winkelmann. „Mein ganzes Leben ist anachronistisch verlaufen. In vielen Sachen bin ich ein Spätentwickler und habe jetzt dank günstiger Umstände viele Möglichkeiten. Mein Lebensgefühl jetzt: Ich bin in der Familie angekommen.” Das wiederum hat zu dem Gedanken geführt, vielleicht doch ein günstiges Studio in der Nähe zu mieten, um ruhig arbeiten zu können. Merke: Nicht nur auf der Bühne, auch in der Familie tobt das Leben...
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